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Jobpsychologie

Verflixter Ferieneffekt: Macht Urlaub dumm?

Wer im Urlaub nur auf der faulen Haut liegt, kommt danach manchmal schwerer wieder in den Denkmodus. Was der Ferieneffekt mit Wissensarbeit, Routinen und Hirnschmalz zu tun hat.

Jens Voss

Eine Badeente am Poolrand: harmloses Urlaubssymbol oder Sinnbild für den Ferieneffekt?
Nach dem Urlaub braucht es oft seine Zeit, um wieder auf das alte Leistungsniveau zu kommen. - Magda Ehlers/Pexels

Trotz wirtschaftlicher Unsicherheit: Urlaub bleibt für viele Menschen in Deutschland gesetzt. Laut Forschungsgemeinschaft Urlaub und Reisen gab es 2025 über 57 Millionen Urlaubsreisende ab fünf Tagen, so viele wie noch nie zuvor. Auch die Ausgaben erreichten mit knapp 92 Milliarden Euro einen neuen Höchstwert.

Nach Angaben des Tourismusverbands wollen 62 Prozent der Deutschen in diesem Sommer mindestens eine Urlaubsreise unternehmen. Das Land ist also urlaubsreif. Den Schalter umlegen, raus aus Terminen, Mails, Abstimmungen und Dauererreichbarkeit. Endlich einmal nichts tun. Viele lechzen geradezu danach. Doch es gibt einen kleinen Haken: Wir drohen zu verblöden.

Wenn der Kopf in den Stand-by-Modus fällt

Der Psychologe Siegfried Lehrl hat diesen Effekt einmal drastisch beschrieben. Wer geistig gar nicht gefordert werde, könne binnen weniger Tage messbar nachlassen. Nach Lehrls Worten sind das fünf IQ-Punkte nach fünf Tagen – und bis zu 20 Punkte nach drei Wochen. Wichtig ist allerdings: Diese Zahlen stammen nicht aus einer klassischen Urlaubsstudie mit Strand, Pool und Hotelbuffet, sondern aus Beobachtungen von Personen in einer klinikähnlichen Situation, die geistig kaum gefordert wurden.

Trotzdem bleibt der Gedanke interessant. Unser Gehirn liebt Erholung, aber es lebt auch von Reizen. Gerade in Wissensjobs, in denen der Arbeitstag aus Entscheidungen, Texten, Zahlen, Gesprächen und dauernden Kontextwechseln besteht, merkt man nach zwei Wochen Nichtstun oft erst beim Wiedereinstieg, wie schwer der Kopf wieder anspringt.

Arbeit im Urlaub

Faulsein ist zwar wunderschön, wie schon Pippi Langstrumpf wusste. Aber völlige geistige Nullstellung hat Nebenwirkungen. Wer 14 Tage auf der faulen Haut liegt, braucht Lehrl zufolge ungefähr ebenso lange, um wieder auf das alte Leistungsniveau zu kommen. Nach dem Urlaub ist vielleicht der Körper erholt, aber das Gehirn sucht erst einmal den Zugang zur eigenen To-do-Liste.

Die Lösung ist nicht, im Urlaub weiterzuarbeiten. Niemand muss am Strand Kampagnenberichte lesen oder zwischen zwei Eiskugeln die Quartalsplanung öffnen. Es reicht, den Kopf freundlich wachzuhalten. Lehrl empfiehlt Denkspiele wie Sudoku oder Schach. Auch Wanderungen, Stadtspaziergänge, Museumsbesuche oder andere Unternehmungen, bei denen man etwas sieht, lernt und neu sortiert, können helfen. Spätestens am dritten Urlaubstag solle man wieder ein wenig den Kopf einschalten, um dem Ferieneffekt vorzubeugen.

Das große Sommervergessen

Bei Kindern lässt sich ein ähnlicher Effekt beobachten. Lehrkräfte berichten nach den Sommerferien immer wieder, dass Schülerinnen und Schüler Teile des Stoffes vergessen haben. Die Bildungsforschung kennt dieses Phänomen als Summer Learning Loss, also als Lernrückgang in der unterrichtsfreien Zeit.

Eine vielzitierte Metaanalyse aus den USA kam zu dem Ergebnis, dass Leistungen über die Sommerferien im Schnitt etwa um einen Monat zurückgehen können. Besonders betroffen waren Mathematik, Rechnen und Rechtschreibung. Lesen war weniger stark betroffen, vermutlich auch deshalb, weil viele Kinder in den Ferien eher lesen als freiwillig Rechenaufgaben lösen.

Ferien zeigen, wie wichtig Routinen sind

Der Effekt trifft aber nicht alle Kinder gleich. Frühere Studien sahen besonders starke Nachteile bei Kindern aus sozial benachteiligten Familien, weil ihnen außerhalb der Schule oft weniger Lernanreize und Förderung zur Verfügung stehen. Neuere Forschung zeichnet das Bild differenzierter. Klar ist aber: Ferien zeigen, wie wichtig Routinen, Umfeld und Anregung für Bildung sind.

Die gute Nachricht: In der Regel ist das große Sommervergessen kein endgültiger Schaden. Spätestens ein paar Wochen nach dem Urlaub finden wir in der Regel zurück in den Denkmodus.

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