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Connected TV

CTV-Messung: Was Reichweite heute erklären muss

CTV-Werbung wird adressierbarer, programmatischer und stärker von Plattformlogiken geprägt. Damit verändert sich auch die Aussagekraft von Reichweite.

Jens Voss

Fernbedienung vor einem unscharfen TV-Bildschirm mit Streaming-Oberfläche
CTV-Werbung findet nicht nur im Stream statt. Auch Oberflächen, Apps und Plattformlogiken prägen, wie Reichweite gemessen und eingeordnet wird. - Ian Panelo/Pexels

CTV-Reichweite ist keine einheitliche Größe. Sie kann aus In-Stream-Spots stammen, aus FAST-Umfeldern, aus Apps, aus Startbildschirmflächen oder aus Werbeformaten innerhalb von Bedienoberflächen. Für Kampagnenplanung und Reporting wird damit nicht nur relevant, wie viele Kontakte ausgewiesen werden. Entscheidend ist auch, welche Inventar-, Daten- und Messlogik diese Reichweite abbildet.

IAB Europe hat Ende April 2026 ein „CTV Measurement Framework and Transparency Principles“ zur öffentlichen Kommentierung gestellt. Das Framework soll Metriken und Definitionen im europäischen CTV-Markt vereinheitlichen und Vergleichbarkeit, Konsistenz und Transparenz stärken. Genannt werden unter anderem Ad Impressions, Viewability und Video Completion Rate als Media-Metriken sowie Incrementality, ROAS und Attention als Performance-Metriken.

Marie-Clare Puffett, Senior Director Industry Development & Marketing bei IAB Europe, verweist auf Vertrauen als Voraussetzung für weiteres Wachstum. Mit dem Framework wolle IAB Europe zu einem transparenteren CTV-Ökosystem beitragen, in dem Käufer und Verkäufer „mit mehr Vertrauen und Klarheit“ handeln können.

Die Spannbreite zeigt, wie weit der Messrahmen inzwischen gefasst wird. CTV-Messung endet nicht bei der Auslieferung. Zugleich wird Reichweite dadurch nicht weniger wichtig. Sie braucht nur einen genaueren Kontext: Handelt es sich um Bruttokontakte, Haushaltsreichweite, Zielgruppenreichweite, On-Target-Reichweite oder um eine Kennzahl innerhalb eines weitergehenden Wirkungsmodells?

Inventar wird zur Messgröße

Ein wesentlicher Teil dieser Einordnung hängt am Inventar. IAB Tech Lab führt im CTV Ad Portfolio unter anderem Pause Ads, Screensaver Ads, Menu Ads, In-Scene Insertion Ads, Overlay Ads und Squeeze Back Ads auf. Menu Ads erscheinen innerhalb der Oberfläche eines TV- oder Streaming-Angebots, etwa auf dem Startbildschirm oder in Navigationsmenüs, nicht während der Videowiedergabe.

Damit wird der Ort des Kontakts selbst Teil der Messfrage. Ein Kontakt im laufenden Stream ist anders einzuordnen als eine Platzierung auf dem Smart-TV-Startbildschirm oder innerhalb einer Betriebssystem-Oberfläche. Genau auf dieser Ebene bündeln sich im CTV-Markt zunehmend Zugang, Sichtbarkeit, Werbeinventar und Datenlogik.

Auch die Öffnung von Samsung-Home-Screen-Inventar für programmatische Einkaufswege zeigt diese Verschiebung. Samsung Ads will Home-Screen-Platzierungen auf Smart-TVs über The Trade Desk und Google Display & Video 360 verfügbar machen, Magnite SpringServe liefert die technische Grundlage. Für das Reporting ist dabei nicht nur die zusätzliche Reichweite relevant, sondern die Frage, ob ein Kontakt im Stream, in einer App oder bereits auf der Oberfläche des Geräts entsteht.

Zielgruppensignale verändern das Reporting

Adressierbarkeit erweitert den Anspruch an CTV-Reporting. Wenn berufliche, demografische, Commerce- oder First-Party-Signale in die Planung einfließen, müssen Reichweite, Frequenz und Zielgruppenpassung entsprechend sauber getrennt werden.

Ein Beispiel ist die Verbindung von LinkedIn-Zielgruppensignalen mit CTV-Inventar über Amazon DSP. LinkedIn CTV Ads sind über Amazon DSP für US-Targeting buchbar. LinkedIn bringt berufliche Zielgruppensignale ein, Microsoft Monetize liefert die programmatische Deal-Struktur. Für die Bewertung einer Kampagne bleiben damit mehrere Ebenen relevant: gebuchte Zielgruppe, ausgeliefertes Inventar, Plattformmetriken, mögliche Brand-Lift-Messung und Verifikation.

Der Fall zeigt vor allem, dass präzisere Zielgruppenlogik nicht automatisch zu einfacherer Messung führt. Im Gegenteil: Je stärker CTV in datenbasierte Planung eingebunden wird, desto genauer muss sichtbar sein, welche Kennzahl aus welchem System stammt und welche Aussage sie tatsächlich trägt.

Wirkung beginnt nicht bei der Kontaktzahl

Noch deutlicher wird diese Trennung bei outcome-orientierter Planung. On-Target-Reichweite kann zeigen, ob eine Kampagne stärker in der gewünschten Zielgruppe ausgeliefert wurde. Sie belegt aber nicht automatisch Nachfrage, Kaufabsicht, Umsatz oder inkrementelle Wirkung.

Amazon setzt mit dem Publisher Cloud Outcome Optimizer in FreeWheel an dieser Schnittstelle an. Die Lösung verbindet Streaming-TV-Inventar mit Signalen aus dem Amazon-Ökosystem und KI-Modellen. Der Start ist begrenzt: zunächst USA, zunächst Awareness-Ziele, zunächst On-Target-Reichweite. Weitere Zielgrößen sollen folgen.

Auch der IAB-Leitfaden zu Conversion APIs beschreibt CTV weiterhin als schwer messbaren Kanal, unter anderem wegen Fragmentierung, begrenzter Identifikatoren und technischer Barrieren. Server-zu-Server-Datenflüsse sollen helfen, Anzeigenkontakte sicherer mit Geschäftsergebnissen zu verbinden.

Für die Praxis ist deshalb vor allem die Trennung der Ebenen entscheidend: Kontakt, Zielgruppe, Sichtbarkeit, Aufmerksamkeit, Markenwirkung, ROAS und Incrementality beschreiben unterschiedliche Messpunkte. Je stärker CTV programmatisch, adressierbar und plattformgetrieben gebucht wird, desto wichtiger wird diese begriffliche Präzision im Reporting.

Was im Briefing stehen sollte

Für Kampagnenteams reicht es nicht, CTV-Reichweite als einzelne Zahl zu betrachten. Im Briefing und Reporting sollten drei Ebenen sauber benannt werden: das Inventar, in dem der Kontakt entsteht; die Signale, mit denen Zielgruppen oder Aussteuerung begründet werden; und die Kennzahl, an der Erfolg gemessen wird.

Die eigentliche Frage lautet damit nicht, ob Reichweite im CTV-Markt noch zählt. Sie lautet, was eine ausgewiesene Reichweite im konkreten Inventar-, Daten- und Plattformkontext tatsächlich beschreibt.

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