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Streaming wird messbarer

Wie CTV näher an Retail Media rückt

Amazon verknüpft Streaming-TV-Werbung über FreeWheel mit Commerce-Signalen und KI-Modellen. Für Publisher kann Premium-Video dadurch stärker über Zielerreichung vermarktet werden. Für Werbungtreibende wird TV stärker Teil datenbasierter Planung.

Jens Voss

Zwei Personen übergeben in einer Bar bei Neonlicht Karten an einem Tresen mit Laptop.
Commerce-Signale rücken näher an Streaming-TV-Werbung: Amazon verbindet CTV-Inventar über FreeWheel mit Daten aus dem eigenen Ökosystem. - cottonbro studio/Pexels

Connected TV wird nicht nur programmatischer. Der Markt übernimmt zunehmend Logiken, die bisher vor allem aus Retail Media bekannt sind: Signale, Datenzusammenarbeit und eine stärkere Orientierung an messbarer Zielerreichung.

Amazon Ads liefert dafür ein aktuelles Beispiel. Das Unternehmen integriert den Amazon Publisher Cloud Outcome Optimizer in den FreeWheel-Adserver. FreeWheel ist laut Amazon der erste Adserver-Partner für diese Lösung. Streaming-TV-Publisher können garantierte Deals, die über die Amazon DSP aktiviert werden, mit Amazon-Signalen, KI-Modellen und eigenen Programminformationen optimieren. Zu den frühen Teilnehmenden zählen Warner Bros. Discovery und A+E Global Media.

Die Lösung nutzt AWS Clean Rooms, um Publisher-Inhalte gemeinsam mit Amazon-Signalen auszuwerten. Dazu gehören laut Amazon Signale aus Streaming, Browsing und Shopping. Predictive-AI-Modelle sollen erkennen, welche Programminhalte bestimmte Werbeziele wahrscheinlicher unterstützen. Während der Kampagne wird die Auslieferung entsprechend angepasst. In frühen Tests erzielte Amazon nach eigenen Angaben 33 Prozent mehr On-Target-Reichweite als bei Standard-Programmatic-Guaranteed-Deals.

Der Start bleibt begrenzt. Zunächst geht es um Awareness-Ziele, konkret um On-Target-Reichweite. Weitere Zielgrößen sollen folgen. Außerdem richtet sich das Angebot zunächst an Streaming-TV-Publisher in den USA.

Commerce-Signale wandern in die TV-Aussteuerung

Amazon verbindet drei Ebenen: Premium-Video-Inventar, Commerce-Signale und die operative Aussteuerung garantierter Deals. Publisher bringen ihre Programminformationen ein. Amazon ergänzt Signale aus dem eigenen Ökosystem. Die Auslieferung läuft über FreeWheel und die Amazon DSP.

Dadurch verändert sich die Logik der Buchung. CTV-Inventar wird nicht nur über Umfeld, Reichweite und Zielgruppenbeschreibung geplant. Es kann stärker danach bewertet werden, welche Programminhalte ein bestimmtes Kampagnenziel wahrscheinlicher unterstützen.

Diese Entwicklung passt zu einer breiteren Bewegung im Markt. IAB Europe beschreibt, dass Retail-Media-Daten zunehmend in CTV-Kampagnen einfließen, etwa über Kauf-, Browsing- und First-Party-Signale. Für den TV-Screen bedeutet das: Er bleibt ein Reichweitenkanal, wird aber stärker mit Datenlogiken verknüpft, die aus Retail Media bekannt sind.

Für Publisher: Mehr als Reichweite

Für Publisher liegt der Reiz in der besseren Begründbarkeit ihres Inventars. Premium-Video wird traditionell über Reichweite, Umfeldqualität, Inhalte und Zielgruppen verkauft. Durch die Amazon-Integration kommt eine zusätzliche Ebene hinzu: Publisher können garantierte Deals stärker mit der erwarteten Zielerreichung verbinden.

Das verschiebt die Argumentation im Verkauf. Wer Streaming-Inventar mit belastbaren Signalen und einer laufenden Optimierung verbinden kann, muss nicht nur erklären, wen eine Kampagne erreicht. Er kann auch zeigen, warum bestimmte Inhalte für ein konkretes Kampagnenziel besser geeignet sein sollen.

Für Werbungtreibende: Planung wird genauer

CTV wird damit für Werbungtreibende näher an datenbasierte Planung herangeführt. Statt Premium-Video nur nach Umfeld, Reichweite oder groben Zielgruppen zu buchen, können Kampagnen stärker auf definierte Zielgrößen ausgerichtet werden.

Die Grenze bleibt allerdings wichtig: On-Target-Reichweite zeigt zwar, ob eine Kampagne die gewünschte Zielgruppe besser erreicht. Sie sagt aber noch nicht, ob daraus mehr Nachfrage, mehr Käufe oder zusätzliche Wirkung entsteht. Wenn Amazon künftig weitere Outcomes unterstützt, wird deshalb entscheidend, wie diese Ziele definiert, gemessen und vergleichbar gemacht werden.

Genau an dieser Stelle setzt auch das IAB Europe CTV Measurement Framework and Transparency Principles vom Mai 2026 an. Es soll einheitlichere Metriken, mehr Vergleichbarkeit und transparentere Messgrundlagen für CTV schaffen. Für Retail Media hat LYDnews bereits gezeigt, wie stark Measurement inzwischen zur Vertrauensfrage wird: Entscheidend ist nicht nur, welche Daten verfügbar sind, sondern wie belastbar Standards, Audits und Vergleichswerte ausfallen.

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