Programmatic bis ans Regal
Perion kauft PRN: Wie weit lässt sich In-Store Retail Media programmatisieren?
Programmatic ist im In-Store Retail Media längst Realität. Mit PRN will Perion die Automatisierung nun tiefer in seine Infrastruktur ziehen. Doch wie weit lässt sich der Point of Purchase überhaupt programmatisieren?

Programmatisch buchbares In-Store-Inventar ist längst Realität. In Deutschland hat beispielsweise XXXLutz sein digitales Werbenetz 2025 für den programmatischen Einkauf geöffnet. Mehr als 1.300 digitale Werbeflächen in 55 Einrichtungshäusern sind über die Supply-Side-Plattform SSP1 buchbar.
Auch grundsätzlich ist Programmatic im In-Store-Bereich kein Zukunftskonzept mehr. IAB Europe widmet seinem Einsatz inzwischen einen eigenen Abschnitt in seinem Leitfaden zu Retail Media. Gleichzeitig ist die Standardisierungsarbeit noch nicht abgeschlossen.
Das zeigt sich besonders bei der Messung. IAB Europe und IAB veröffentlichten Ende 2024 gemeinsame Definitionen und Messstandards für In-Store Retail Media. Anfang Juli 2026 kamen Händler, Technologieanbieter und Branchenvertreter erneut zusammen, um die nächste Stufe der Messprinzipien zu entwickeln, einen konsistenteren Rahmen zu schaffen und die Grundlage für eine mögliche In-Store-Retail-Media-Zertifizierung zu legen.
Perion will Programmatic bis zum Point of Purchase verlängern
In diese Entwicklungsphase fällt die Übernahme von PRN durch Perion. Ende August kündigte das AdTech-Unternehmen an, den auf Mediennetze in Geschäften und Gesundheitseinrichtungen spezialisierten Anbieter für bis zu zwölf Millionen US-Dollar in bar zu übernehmen. Für 2027 erwartet Perion einen Beitrag von rund drei Millionen Dollar zum bereinigten EBITDA, noch vor möglichen Synergien. PRN soll künftig als Perion Retail Networks firmieren.
PRN bringt unter anderem ein 4K-TV-Netz in mehr als 750 Warehouse-Clubs in Nordamerika sowie Mediennetze bei einem großen Einzelhändler mit mehr als 4.500 Geschäften und einem Gesundheitsanbieter mit mehr als 2.200 Standorten ein. Die Namen der Unternehmen nennt Perion nicht.
Für Perion ist jedoch nicht allein die zusätzliche Reichweite interessant. Das Unternehmen will sein bestehendes programmatisches DOOH-Geschäft mit den In-Store-Netzen von PRN verbinden und damit die Werbekette räumlich weiter bis an den Point of Purchase verlängern.
Perion-CEO Tal Jacobson beschreibt das Ziel so: „Wir wollen die Breite unseres Kanalangebots einschließlich CTV und DOOH nutzen, damit eine Marke eine einzige Kampagne vom Wohnzimmer bis ans Regal umsetzen kann.“
Mehr Kanäle enger verzahnt
Mit PRN soll Perions Angebot programmatisches DOOH, Commerce, Social Media, In-Store Retail Media und CTV stärker miteinander verbinden. Für das PRN-Inventar selbst ist die geplante programmatische Ausspielung allerdings noch kein bestehender Zustand. Perion spricht ausdrücklich davon, diese im Laufe der Zeit einzuführen.
Wie die technische Integration konkret aussehen wird, lässt das Unternehmen offen. Der strategische Anspruch ist dagegen klar: Die Verkaufsfläche soll stärker Teil derselben kanalübergreifenden Werbeinfrastruktur werden, über die Marken bereits andere digitale Medien planen und ausspielen.
Auch PRN-CEO Kevin Carbone formuliert diesen Anspruch deutlich. „Werbetreibende wollen In-Store-Werbung so planen wie jeden anderen Kanal“, sagt er, übersetzt. Perion bringe die Nachfrage und die technische Ausführung mit, um dies zu ermöglichen.
Im Geschäft gelten andere Regeln
Hier liegt allerdings eine Besonderheit von In-Store Retail Media. Der Händler stellt nicht nur Werbeinventar bereit, sondern kontrolliert zugleich die physische Verkaufsumgebung. Perion schränkt seinen Automatisierungsanspruch deshalb ausdrücklich ein: Die programmatische Ausspielung soll innerhalb der Regeln erfolgen, die der jeweilige Händler für Inhalte, Frequenz und das Einkaufserlebnis vorgibt.
Carbone betont entsprechend, dass Händler trotz stärker automatisierter Planung die Kontrolle darüber behalten sollen, was in ihren Geschäften ausgespielt wird.
Damit liegt die eigentliche Spannung des Deals weniger darin, ob In-Store Retail Media programmatisch werden kann. Das ist in Teilen längst Realität.
Spannender ist, wie weit sich die Mechanismen des Programmatic Advertising auf den Point of Purchase übertragen lassen. Je stärker In-Store-Inventar gemeinsam mit CTV, DOOH und anderen digitalen Kanälen geplant wird, desto größer wird der Bedarf an vergleichbaren Abläufen, Messgrößen und Automatisierung. Gleichzeitig bleibt die Verkaufsfläche ein Umfeld, über das der Händler unmittelbar bestimmt.
Perion will beides zusammenbringen: mehr programmatische Ausspielung für Werbetreibende und weiterhin Kontrolle für Händler. Wie weit sich das skalieren lässt, dürfte mitentscheiden, welche Rolle In-Store Retail Media künftig in kanalübergreifenden Kampagnen spielt.
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