Digitale Souveränität
Deutsche Unternehmen wollen heimische KI – aber nicht um jeden Preis
Fast alle deutschen Unternehmen bevorzugen heimische KI. Für besonders geschützte Datenverarbeitung wollen die meisten aber keine Zugeständnisse machen. Das zeigen aktuelle Untersuchungen, die zugleich die Herausforderungen beim Ausbau der Rechenzentren beleuchten.

Deutsche KI ja, aber zu welchen Bedingungen? Laut einer Bitkom-Befragung würden 96 Prozent der Unternehmen KI-Anwendungen heimischer Anbieter bevorzugt nutzen. Gleichzeitig wollen 64 Prozent für einen Dienst, der ihre Daten ausschließlich in Deutschland und vor ausländischem Zugriff geschützt verarbeitet, keine Nachteile hinnehmen. Eine zweite Bitkom-Studie beleuchtet die infrastrukturelle Seite: Deutschland investiert Milliarden in neue Rechenzentren, bleibt beim Ausbau aber laut Prognose weit hinter den USA und China zurück. Beide Veröffentlichungen erschienen anlässlich des Digital-Gipfels der Bundesregierung.
US-Anbieter verlieren an Zuspruch
Für 87 Prozent der befragten Unternehmen spielt das Herkunftsland bei der Wahl eines KI-Anbieters eine wichtige Rolle. Besonders deutlich zeigt sich eine Veränderung bei den USA: Während im vergangenen Jahr noch 51 Prozent bevorzugt amerikanische KI nutzen wollten, sind es inzwischen 41 Prozent. Allerdings wurden in der Befragung Herkunftspräferenzen erfasst, nicht aber die tatsächliche Nutzung. Mehrfachnennungen waren möglich. Bitkom-Präsident Ralf Wintergerst betont: „Es gibt eine breite Nachfrage nach souveräner KI, aber entsprechende Angebote müssen unabhängig vom Standort des Anbieters im Wettbewerb bestehen.“

Milliarden für neue Rechenzentren
Doch wie steht es um die technischen Voraussetzungen für heimische KI-Angebote? Eine zweite Bitkom-Studie, die das Borderstep Institut erstellt hat, zeigt: In Deutschland wird kräftig in Rechenzentren investiert. Die Ausgaben sollen 2026 mit 23,5 Milliarden Euro einen neuen Höchststand erreichen. Der größte Teil fließt in Server, Speicher und andere IT-Technik. Auch in den kommenden Jahren dürfte die Infrastruktur deutlich wachsen. Bis 2035 könnte sich die IT-Anschlussleistung deutscher Rechenzentren gegenüber heute nahezu verdreifachen. Besonders stark steigt der Bedarf für KI-Anwendungen und Hochleistungsrechnen. Sie könnten dann mehr als die Hälfte der verfügbaren Kapazität beanspruchen.
Im internationalen Vergleich bleibt Deutschland dennoch weit zurück. Die Studie erwartet, dass die USA und China ihre Rechenzentrumskapazitäten bis 2035 auf ein Vielfaches des deutschen Niveaus ausbauen. Verglichen wird dabei die IT-Anschlussleistung, nicht die tatsächliche Rechenleistung einzelner KI-Systeme. „Der KI-Wettbewerb ist auch ein Wettbewerb um Rechenleistung“, sagt Wintergerst. Der Bitkom fordert deshalb bessere Investitionsbedingungen, insbesondere günstigeren Strom, geeignete Flächen und schnellere Genehmigungsverfahren.
Souveränität ist mehr als eine Standortfrage
Mehr Rechenzentren allein machen Deutschland allerdings noch nicht unabhängig. Entscheidend ist auch, wer die KI-Modelle entwickelt, die zugrunde liegenden Cloud-Dienste betreibt und über die Verarbeitung der Daten bestimmt. Welche Abhängigkeiten dabei entstehen können, hat LYDnews bereits am Beispiel amerikanischer Cloud-Anbieter untersucht. Auch Bundeskanzler Friedrich Merz mahnte beim Digital-Gipfel mehr Tempo beim Aufbau eigener digitaler Fähigkeiten an. Zugleich betonte er: „Das Streben nach digitaler Souveränität in einer global vernetzten Welt kann nicht bedeuten, dass wir nach Autarkie streben.“
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