Headhunting
Wenn der Headhunter klingelt: Was Kandidaten wissen sollten
Headhunter können Türen öffnen, die sonst verschlossen bleiben. Aber nicht jede Nachricht ist ein echtes Mandat und nicht jede spannende Rolle passt. Wer mit Personalberatungen spricht, sollte freundlich bleiben – aber nicht naiv.
Jens Vossvor 3 Tagen

1. Klär, wie konkret die Suche ist
Wenn ein Headhunter eine Rolle vorstellt, sollten Kandidatinnen und Kandidaten früh nachfragen, wie konkret der Auftrag ist. Zum Beispiel so: „Suchen Sie direkt für dieses Unternehmen? Oder sondieren Sie erst den Markt?“ Auch sinnvoll: „Ist die Rolle schon freigegeben und aktiv zu besetzen?“ Bei einem exklusiven Mandat kennt die Personalberatung das Unternehmen meist genauer, hat direkten Zugang zur einstellenden Führungskraft und kann den Prozess besser erklären. Bei einer breiteren Suche kann es schneller und oberflächlicher zugehen. Beides kann funktionieren. Man sollte nur wissen, worauf man sich einlässt.
2. Gib deinen Lebenslauf nicht zu früh frei
Ein Lebenslauf ist kein Flyer. Er sollte nicht wahllos weitergereicht werden. Bevor du deinen CV verschickst, sollten Rolle, Unternehmen und Weitergabe klar sein. Ein Headhunter sollte erklären, wofür er oder sie das Profil nutzt, und es erst nach ausdrücklicher Freigabe weitergeben. Wer ausweicht, sollte nicht mit deinem Lebenslauf arbeiten.
3. Lass dir die Rolle genau erklären
Eine Stellenbezeichnung sagt oft wenig. „Programmatic Lead“, „Digital Marketing Manager“ oder „Head of Growth“ kann je nach Unternehmen sehr Unterschiedliches bedeuten. Eine gute Frage lautet deshalb: „Welche Aufgabe soll diese Person in den ersten sechs Monaten lösen?“ Sie zeigt schnell, ob die Rolle wirklich verständlich ist – oder nur gut klingt.
4. Klär den Gehaltsrahmen früh
Niemand muss im ersten Gespräch auf den Euro genau verhandeln. Aber ein grober Rahmen gehört früh auf den Tisch. Wenn nach zwei Gesprächen immer noch unklar ist, ob deine Erwartung zur Rolle passt, verlieren alle Zeit. Gute Personalberater können zumindest einordnen, ob Kandidatenerwartung und Budget realistisch zusammenpassen.
5. Verwechsle Freundlichkeit nicht mit Parteinahme
Ein gutes Gespräch kann sich persönlich anfühlen. Trotzdem arbeitet die Personalberatung in der Regel für das Unternehmen. Das ist nicht unfair, sondern Teil des Systems. Deshalb gilt: offen sprechen, aber bewusst. Wer Wechselmotive, Gehalt oder interne Konflikte teilt, sollte wissen, welche Informationen später beim Auftraggeber landen könnten.
6. Achte auf Substanz
Gute Headhunter erkennt man nicht an besonders warmen Worten, sondern an konkreten Antworten. Warum wurde ich angesprochen? Wie gut kennt die Personalberatung das Unternehmen? Wie sieht der Auswahlprozess aus? Wer entscheidet am Ende? Warum ist die Stelle offen? Wenn darauf nur vage Antworten kommen, ist Vorsicht angebracht.
7. Bleib professionell, auch wenn du aussteigst
Ghosting ist bequem, aber kurzsichtig. Gerade im digitalen Werbemarkt sieht man sich oft wieder. Wer kein Interesse mehr hat, sollte das klar sagen. Ein kurzer, höflicher Rückzug reicht – und schützt die eigene Reputation.
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