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Ad Fraud

CTV-Betrug im Live-Sport: Was ist Premium-Inventar wert, wenn Zuschauer nur simuliert werden?

DoubleVerify hat ein Betrugsschema bei Live-Sport auf CTV entdeckt. Bots simulierten Zuschauer und liefen exakt 90 Minuten. Der Fall zeigt: Premium-Umfeld und tatsächliche Kontaktqualität sind zwei verschiedene Dinge.

Ein beleuchteter Computerbildschirm in einem dunklen Raum spiegelt sich in einer Fensterscheibe.
Echte Nutzung oder nur ihr digitales Abbild? DoubleVerify hat bei Live-Sport auf CTV ein Betrugsschema entdeckt, bei dem automatisierte Skripte menschliche Zuschauer simulierten. (Symbolbild) - Sixteen Miles Out/Unsplash

90 Minuten. Dann war Schluss. Auch wenn das Spiel weiterging. Genau dieses Muster machte DoubleVerify nach eigenen Angaben während der Fußball-WM auf verdächtige CTV-Sessions aufmerksam. Das Fraud Lab des Unternehmens nennt das entdeckte Betrugsschema „KickBot“. Gemeint ist damit kein einzelner Schadbot, sondern ein Schema, bei dem automatisierte Skripte echte Zuschauer von Live-Sport imitieren sollten.

Die Skripte waren auf die regulären 90 Minuten eines Fußballspiels programmiert. Ging eine Partie in die Verlängerung oder ins Elfmeterschießen, endeten die simulierten Sessions trotzdem. „Echte Fans würden in diesen entscheidenden Momenten nicht aufhören zu schauen“, heißt es in der Analyse des DoubleVerify Fraud Lab.

Das Unternehmen trainierte seine Erkennung nach eigener Darstellung darauf, den Verhaltenskontext und die unterschiedliche Länge von Live-Spielen zu berücksichtigen, und will das Muster anschließend auf Millionen Sessions identifiziert haben.

Warum Live-Sport für Betrüger attraktiv ist

DoubleVerify nennt für besonders hochwertiges Live-Sport-Inventar CPMs von mehr als 50 Dollar und zählt sie zu den höchsten im CTV-Bereich. Klar ist: Je höher der Wert einer Impression, desto mehr lässt sich auch mit einer erfolgreich vorgetäuschten Impression verdienen.

Über einen Zeitraum von drei Monaten hätten Dutzende Marken für CTV-Traffic bezahlt, den DoubleVerify als vollständig gefälscht einstufte. Einen konkreten Gesamtschaden durch das Schema beziffert das Unternehmen nicht. Bei stark steigendem programmatischen Bidding könne ein solches Modell allerdings Millionenschäden verursachen, unterstreicht DoubleVerify.

Der konkrete Fall ist ungewöhnlich, das Grundproblem dahinter nicht. Das IAB führt Invalid Traffic als bekannte Herausforderung bei digitaler Videowerbung auf. Für CTV verweist der Branchenverband insbesondere im programmatischen Handel auf Betrugsmöglichkeiten wie Device Spoofing und App Spoofing, durch die falsche Ad Requests und Impressionen entstehen können.

Premium ist nicht gleich verifiziert

Die Qualität des Umfelds und die Echtheit des einzelnen Werbekontakts sind nicht dasselbe. Live-Sport kann wegen seiner Inhalte, Reichweite und Nachfrage ein besonders wertvolles Werbeumfeld sein. Ob hinter einer ausgelieferten Impression tatsächlich ein Mensch sitzt, muss davon unabhängig geprüft werden.

Der von DoubleVerify veröffentlichte Fall erlaubt keine Aussage darüber, wie groß das Fraud-Problem im Live-Sport insgesamt ist. Er zeigt aber anschaulich, wie stark sich ein Betrugsschema an den Kontext eines besonders wertvollen Werbeumfelds anpassen kann.

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