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Programmatic Live Streaming

Warum Live-Streaming besondere Werbeinfrastruktur braucht

Bei Live-Events können Zuschauerzahlen binnen Minuten stark wachsen, während Zeitpläne und tatsächliche Nutzung kurzfristig variieren. Das stellt programmatische Systeme laut IAB Tech Lab vor besondere Anforderungen. Mit LEAP sollen Käufer und Verkäufer Prognosen und aktuelle Nutzungsdaten standardisiert austauschen können.

Zwei Personen verfolgen eine Eishockey-Übertragung auf einem Fernseher.
Live-Sport stellt programmatische Werbesysteme vor besondere Anforderungen. Das IAB Tech Lab will mit LEAP den Austausch von Prognosen und aktuellen Nutzungsdaten zwischen den beteiligten Systemen standardisieren. - Cottonbro/Pexels

Live-Events stellen programmatische Werbesysteme vor besondere technische und operative Anforderungen. Das IAB Tech Lab nennt dafür vor allem volatile zeitliche Abläufe sowie hohe Anforderungen an Latenz und Skalierung. Zugleich können Zuschauerzahlen bei großen Live-Ereignissen innerhalb weniger Minuten stark anwachsen.

Besonders sichtbar wird das Problem bei Werbeunterbrechungen. Bei großen Live-Übertragungen kann ein sehr großes Publikum innerhalb kurzer Zeit denselben Werbeblock erreichen. Dadurch entstehen Lastspitzen, auf die beteiligte Systeme vorbereitet sein müssen. Das IAB Tech Lab will mit seinem Live Event Ad Playbook, kurz LEAP, dafür standardisierte Signale und einen abgestimmten Datenaustausch innerhalb der programmatischen Lieferkette etablieren.

Vor dem Event: Wie viel Inventar wird verfügbar sein?

Eine Herausforderung beginnt bereits vor der Übertragung. Laut IAB Tech Lab fehlt bestehenden programmatischen Systemen bislang ein standardisierter Mechanismus, mit dem zukünftiges Live-Inventar für Käufer sichtbar und im Voraus planbar gemacht werden kann.

Dafür wurde die Forecasting API entwickelt. Broadcaster und Content-Anbieter können darüber strukturierte Informationen zu bevorstehenden Events an Börsen und DSPs übermitteln. Dazu gehören unter anderem Zeitpläne, erwartete Werbepausen und Zuschauerprognosen. Der neue Implementierungsleitfaden nennt außerdem verfügbares Inventar und Kampagnenmöglichkeiten als Informationen, die Käufer und Verkäufer vor einem Event austauschen können.

Die Schnittstelle soll Käufern ermöglichen, bevorstehendes Live-Inventar früher zu erkennen und in ihre Planung einzubeziehen. Das zugrunde liegende Schema ist laut IAB Tech Lab an bestehende OpenRTB- und AdCOM-Standards angelehnt.

Während des Events: Wie viele Zuschauer streamen tatsächlich?

Die Planung vorab bildet nur einen Teil des Live-Betriebs ab. Während einer Übertragung kann sich die tatsächliche Zuschauerzahl kurzfristig verändern. Hier setzt die Concurrent Streams API an. Sie soll eine standardisierte Antwort auf die Frage liefern, wie viele Geräte einen bestimmten Live-Inhalt zu einem gegebenen Zeitpunkt tatsächlich streamen.

Der neue Leitfaden beschreibt die darüber bereitgestellten Informationen als nahezu in Echtzeit verfügbare Nutzungssignale. Sie können laut IAB Tech Lab unter anderem dabei helfen, technische Kapazitäten zu skalieren, Kampagnen zu steuern und Gebotsentscheidungen während des laufenden Events zu treffen.

Forecasting und Concurrent Streams decken damit zwei unterschiedliche Phasen ab: Die eine Schnittstelle liefert Informationen für die Planung vor dem Event, die andere Daten zur tatsächlichen Nutzung während der Übertragung.

Zusammenspiel mit bestehenden Standards

LEAP soll dabei keine separate programmatische Infrastruktur neben den bestehenden Systemen schaffen. Das IAB Tech Lab beschreibt vielmehr ein Zusammenspiel mit bereits etablierten Standards.

Da hochwertiges Live-Inventar häufig über Deals vermarktet wird, kann dabei zunächst die Deals API zum Einsatz kommen. Wenn das Event tatsächlich stattfindet, wird die Transaktion über OpenRTB ausgeführt. Forecasting und Concurrent Streams ergänzen diesen Ablauf um Informationen, die speziell für die Planung und Aussteuerung von Live-Events benötigt werden.

Ein Leitfaden für die praktische Umsetzung

Forecasting API und Concurrent Streams API liegen inzwischen jeweils in Version 1.0 vor. Der neue LEAP Implementation Guide konzentriert sich darauf, wie beide Schnittstellen in unterschiedlichen technischen Umgebungen konsistent eingesetzt werden können.

Der Leitfaden behandelt unter anderem Authentifizierung, Requests und Responses, Identifier, Polling, Fehlerbehandlung und Rate Limits. Einheitliche Implementierungspraktiken sollen nach Angaben des IAB Tech Lab die technische Integration vereinfachen und die Interoperabilität zwischen Käufern, Verkäufern und Technologiepartnern verbessern.

Der Entwurf befindet sich bis zum 23. November 2026 in der öffentlichen Kommentierungsphase. Damit liegt der Schwerpunkt von LEAP nicht mehr allein auf der Definition der einzelnen Schnittstellen, sondern zunehmend auch darauf, wie sie im praktischen Zusammenspiel eingesetzt werden können.

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